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Gate (Re) & Gate (W) / 栅栏 (Re) & 栅栏 (W)

Author: Matthias Liechti 2018

Hintergrund/Idee der Arbeit
Uebergangsriten, Arnold van Gennep & Schwelle
Ich versuche das hier so kurz und praezise wie moeglich zu halten - oft schwingen bei meinen Arbeiten ziemlich viel Gedanken mit.
Bei den Toren interessiert mich primaer die Idee der Raumverschiebung. Also einerseits das freistehende Tor, welches kein klares Davor und Dahinter definiert und andererseits die Raumverschiebung, die wir st?ndig beim Durchgehen diverser Tueren vornehmen. Ich habe mich in diesem Zusammenhang stark mit den Uebergangsriten von Arnold Van Gennep auseinandergesetzt. Wobei die Tueren und Tore als Uebergangsriten von einem zum anderen Raum verstanden werden koennen. Sie beinhalten eine Schwelle, die ueberschritten wird. Das Tor, so wie ich die beiden installiert habe, wird zum Symbol der Schwelle. Die Tore sind flach, und der Moment der Schwelle wird so in den Vordergrund gerueckt. Bei der Schwelle interessiert mich die Idee des toten Punktes. (Wie der tote Punkt beim Sport.) Im Moment, wo wir uns auf der Schwelle befinden sind wir an einem Zwischenort. An einem Ort, der nicht definiert ist. An einem neutralen Ort usw. Da das Tor in der Ausstellung keine klare Funktion hat, wird die ganze Angelegenheit ewas mystisch..

Wiederholendes & automatisiertes Verhalten
Weiter interessieren mich in meiner Arbeit generell wiederholende Strukturen und die Macht der Wiederholung. Das eigene wiederholende Verhalten schliesse ich hier mit ein. Im Falle der Tore und Tueren interessiert mich die Idee einer automatisierten Anpassung an den bevorstehenden Raum. Dieser naechste Raum wird mit dem Tor angegeben. Gehe ich also in ein altes Restaurant, wird mich eine andere Tuere empfangen, als wenn ich einen Schlosser in einer Industriehalle besuche. Die Tueren lassen mich bereits ahnen, welcher Raum sich dahinter befindet und welche Regeln und Konventionen im naechsten Raum herrschen.

Ausschluss&Einschluss (Willkuer&Kalkuel)
Weiter habe ich die Tueren der Tore so verschweisst, dass sie in einer bestimmten Position fixiert sind. Beim verzinkten Tor, Gate (Re) stand die Tuere offen: Die BesucherInnen konnten durch die Tuere gehen. Beim anderen Tor, Gate (W) stand nur einer der beiden Torfluegel leicht offen. Die Oeffnung ist zu klein fuer einen Menschen. Fabulieren wir aber etwas weiter, so merken wir, dass z.B eine Katze durch den Spalt passen wuerde. Das heisst, einerseits werden mit solchen Toren und Tueren spezifische Gegenstaende ein oder ausgeschlossen (also z.B wir Menschen - aber keine Insekten etc.) und andererseits koennen nicht wir, die Besucherinnen in der Ausstellung oder wir, die Menschen in der Stadt, bestimmen, ob und wie uns welche Raeume empfangen und offen stehen. Diese Idee, dass irgendwo, irgendwer, irgendwas bestimmt wer und was, zu welchem Zeitpunkt durch welche Tueren und Tore schreiten darf/kann interessiert mich. Querbezuege und Vergleiche gibt es hier einerseits zu politischen Diskussionen (Landesgrenzen generell aber auch innerhalb eines Landes die sozialen Moeglichkeiten..) und andererseits erinnere ich mich auch gerne an Metaphern aus diversen Filmen und Maerchen. (Wie z.B bei Die unendliche Geschichte (the never ending story) bei der beim einen Durchgang niemand weiss, wer durch kommt und wer nicht. Egal wie stark die Ruestung ist und wie intelligent man ist - am Ende entscheidet eine aeussere Macht - das Schicksal o.ae.)

Konkretes zu Gate (Re) & Gate (W)
Nebst diesen ?berlegungen, die allgemein zu den Toren gemacht werden koennen, habe ich mich bei den einzelnen beiden Toren noch mit konkreten Dingen beschaeftigt:

Gate (W)
Mit diesem Tor wollte ich die Idee des Ausschlusses thematisieren. Also auch wenn beide Tueren ganz geschlossen sind, so funktioniert das Tor nur als materielle Trennung des Raumes, nicht aber als optische. (Wir koennen durch das Tor/Gitter sehen.) Zusaetzlich ist das Gitter ziemlich grobmaschig. Diverse Tiere usw. koennen problemlos durch dieses Tor hindurchgehen.
Weiter habe ich einen Moirée-Effekt eingebaut. Der Effekt funktioniert ziemlich einfach und ist ausserdem auf dem Foto st?rker vorhanden als in der Realit?t. Mich interessierte die M?glichkeit den Effekt an einem konkreten Objekt in den Raum zu stellen.. ausserdem verstaerken die Diagonalen Linien auch ganz einfach die Stabilitaet des Tores.

Gate (Re)
Hinter der Konstruktion des Tores verbirgt sich eine ziemlich aufwendige Spielerei mit den Regeln der Heiligen Geometrie (Sacred Geometry). Ich habe einerseits versucht so oft wie m?glich Verhaeltnisse des goldenen Schnittes einzubauen und andererseits habe ich die Flower of Life als Konstruktionsschema verwendet. Die unterschiedlichen Linien, Distanzen und Dimensionen also, bauen alle auf der Heiligen Geometrie auf. Dabei interessierte mich die Idee einerseits, dass es Menschen gibt, die solche Heilige Geometrien ?entdeckt“ haben, vor allem aber, dass diese Geometrien, verschwoerungstheoretisch nun ueberall auftauchen koennen. Also beim Menschen und seinen Vermessungen.. bei Pflanzen, Tieren, bei den Pyramiden usw. Es gibt auch ganz viele Beispiele, wo die Geometrie nicht funktioniert.. diese werden dann in solchen Diskussionen einfach ausgelassen. Diese Regel der Goldenen Geometrie half mir einerseits das Design des Tores zu bestimmen und andererseits gefaellt mir der Gedanke, dass, wenn man diese Information nicht hat, niemand sieht, dass hier eine spezielle Geometrie angewendet wurde.

Mehr Tore
Uebrigens, ich habe seit den beiden Toren stetig neue Tore skizziert und in Modellen umgesetzt. Je nachdem was sich ergibt, k?nnen diese beiden Tore also auch mit neuen, anderen Toren ergaenzt werden.

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